Stilverbrechen
München, Haltestelle Studentenstadt, ca. 15 Uhr – ich warte auf die nächste U6 und aus dem Nichts taucht er auf: der Stilverbrecher. Ein Mann, vermutlich Mitvierziger. Gekleidet in einem weißen Polohemd. Darunter ein schwarzes Ruhrpott-Proll-Unterhemd. Dazu eine kurze, weiße Hose, käsige Beine; schwarze, hochgezogene Socken und normale Straßenschuhe.
Igitt.
Große Klappe …
und mal wieder nichts dahinter.
Herzlichen Dank nach Gelsenkirchen für drei Punkte.
Subsurface Lifeforms
Diese Art von Leben taucht normal nur in der Nähe sog. »Black Smoker« auf. Nach meinen täglichen Ausflügen in der Münchner U-Bahn behaupte ich aber, dass diese Spezies auch dort in einigen Unterarten existiert:
- U-Bahn-Zombie
Von den meisten völlig unbeachtet torkelt er durch die Schächte und Züge. Oft mit einem Rucksack bewaffnet, um Schultern oder Gesichter anderer Fahrgäste zu attackieren. Der Zombie selbst tut dies aber unbewusst und merkt daher nicht mal, wenn er den plastischen Chirurgen wieder Kundschaft beschafft.
Durch die neuen, durchgänigen U-Bahnen ist der Zombie auch nicht mehr nur auf einen Waggon beschränkt und kann sein Unwesen im ganzen Zug treiben. - U-Bahn-Schnecke
Wie richtige Schnecken sind auch diese äußerst lästig. Ihre Bewegungsgeschwindigkeit lässt sich nur in m/h messen, sie steht auf Rolltreppen nahezu immer links und auch sonst nur im Weg. Dabei beweisst sie eine Zielstrebigkeit, die ihres gleichen sucht. Eine Schnecke zu überholen, ist oft ein schwieriges Unterfangen, da sie gerne ihre Ausrichtung zur eigenen anpasst und dabei den Gegenverkehr geschickt ausnutzt. - U-Bahn-Stinker
Der Stinker besticht in erster Linie durch seine natürlichen Ausdünstungen oder künstliche Gasblasen. Eine Verwandtschaft zum Krankheitsbild des Mr. Sumo und der bulgarischen Großfürstin ist hierbei klar ersichtlich.
Insbesondere wenn sich die Aromen von natürlichen und künstlichen Düften vereinen, erreicht die Wirkung das Niveau von chemischen Kampfstoffen, z.B. VX. Im Sommer sind daher Schutzanzüge und Atropinspritzen Pflichtausrüstung. - U-Bahn-Rusher
Rusher sind immer in Panik zu spät zu kommen. Daher rasen sie Treppen hinunter, verfügen über FTL-Kapazität, überholen auch an den unmöglichsten Stellen und müssen chronisch Erster in der Bahn sein. Bei mehreren Rushern an einer Tür lässt sich ein ausgeprägtes Revier- und Konkurrenzverhalten feststellen, dem man besser aus dem Weg geht. - U-Bahn-Frühaufsteher
Die harmloseste Spezies. Ihr Anhörige neigen dazu, etwa fünf Minuten vor ihrer Zielhaltestelle aufzustehen und ihren Körper strategisch günstig in der nächsten Tür zu platzieren. In der U-Bahn-Verhaltenspsychologie nennen wir das »Türsteher-Syndrom«.
Verehrte Münchner U-Bahn-Mitfahrer,
hier ein paar Hinweise, wie man die Türen richtig öffnet:
- Fahrzeug Typ A (dreiteilige Frontscheibe)
Die Türen müssen einzeln geöffnet werden. - Fahrzeug Typ B (einteilige Frontschreibe, Matrix-Displays)
Das Ziehen an einem der Hebel genügt, um beide Türen zu öffnen. - Fahrzeug Typ C (neue Modelle)
Sobald der Fahrer die Freigabe erteilt, leuchtet eine grüne Markierung auf und leichter Druck auf den Knopf genügt. Wildes Hämmern auf den Auslösern bringt nichts. Gleiches gilt für die S- und Straßenbahnen.
Es wäre übrigens nett, wenn man in Typ A auch mal beide Türen öffnen würde, statt sich durch eine durchzuquetschen. Vorausgesetzt natürlich, daß nicht irgendein Individuum sein Hinterteil mitten im Weg parkt – trotz freier Gänge und Sitze.
Der MVV sollte außerdem zwei Kampagnen für den Nahverkehr ins Leben rufen:
- »Rucksäcke runter!«
Schon mal so ein Ding mitten im Gesicht gehabt? Ein Riesenspaß. - »Erst raus, dann rein!«
Gegen die alltägliche Ausstiegsblockade am Ostbahnhof.
Verehrte Münchner Suizidgefährdete,
wenn Ihr Euch schon ins Jenseits befördern wollt, dann tut das bitte auf anderem Wege, als Euch vor einen Zug bzw. eine S-Bahn zu werfen:
- Das Verkehrschaos nervt gewaltig. Aber was stört es Euch schon, wenn der gesamte Nah- und Fernzugverkehr in München über Stunden beeinträchtigt wird?
- Glaubt Ihr, der Polizei macht es Spaß Eure Überreste von den Gleisen und Zügen zu kratzen?
- Abgesehen davon, was Ihr Eurer Familie und Freunden damit antut – auch mal an die Zugführer gedacht oder an die Schäden, die Körperteile bei hohen Geschwindigkeiten an den Bahnen anrichten?
Danke.
P.S.: Sich umzubringen ist nie eine Lösung. Laßt Euch helfen!
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